Versformen
Verfasst: 29. Okt 2007, 13:13
Bezeichnungen für bestimmte Versformen
der vers commun“ (frz.)
Du daurest mich, du allerliebstes Kind!
v - v - v - v - v -
Du fühlst mein Weh, ich leide deine Schmerzen,
aus: Johann Christian Günther, Abschied an Leonore“
Der vers communist ein französischer Vers. Er ist ein jambischer Fünfheber, mit männlicher und weiblicher Kadenz und einer festen Zäsur nach der zweiten Hebung. Er ist außerdem gereimt und kommt im Barock häufig vor.
der Endecasillabo
Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
v - v - v - v - v - v
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
aus: Goethe, Urworte. Orphisch“
Der Endecasillaboist ursprünglich ein italienischer Vers. Er besteht aus gereimten fünfhebigen Jamben, meist mit weiblicher Kadenz, ohne feste Zäsur.
der Blankvers
Denn ach! mich trennt das Meer von den Geliebten,
v - v - v - v - - v
Und an dem Ufer steh ich lange Tage,
Das Land der Griechen mit der Seele suchend."
aus: Goethe, Iphigeniel I,1“
Der Blankversbesteht aus ungereimten fünfhebigen Jamben. Er ist der Vers des klassischen deutschen Dramas und wurde aus dem englischen Drama übernommene
der Alexandriner
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden!
v - v - v - v - v - v - v
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
aus: Andreas Gryphius, Es ist alles eitel“
Der aus dem Französischen übernommene Alexandriner besteht aus sechshebigen Jamben mit fester Zäsur nach der dritten Hebung. Er ist gereimt und kommt vor allem im Barock vor.
Madrigalverse, freie Verse
Schöne Linde
Deine Rinde
Nehm den Wunsch von meiner Hand:
Kröne mit den sanften Schatten
....
Die Madrigalverse sind jambotrochäische Verse mit freier und wechselnder Hebungszahl. Sie sind gereimt und kommen auch in der modernen Dichtung vor.
der Hexameter
Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen! es grünten und
- v v - v v - v v - v v - - v
Der Hexameterist ungereimt und besteht aus sechs Daktylen. Im Deutschen ist die Füllung dieses griechischen Verses jedoch sehr frei, d.h., die Senkungen können ein‑ oder zweisilbig sein; zweisilbige Senkungen kommen jedoch fast immer nach der fünften Hebung vor. Meistens liegt eine weibliche Kadenz vor.
der Pentameter
Der Pentameterist im Deutschen ein sechshebiger Vers mit männlicher Kadenz. Die dritte und vierte Hebung folgen ohne Senkung aufeinander. Eine Strophe, die aus einem Hexameter und einem Pentameter besteht, heißt (-s) Distichon.
Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule,
- v - v v - v - v - v v - v
im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.
- v - v v - - v v - v v -
Friedrich Schiller
Verse mit Senkungsfreiheit
Es schienen so golden die Sterne,
v - v v - v v - v
Am Fenster ich einsam stand.
v - v v - v -
aus: J. v. Eichendorff, Sehnsucht“
Außer den zuvor erwähnten ‑ meist an ausländischen Vorbildern orientierten ‑ Formen sind in der deutschen Lyrik einheimische Formen verbreitet, die nicht alternieren, da bei ihnen weitgehende Freiheit bei der Senkungszahl besteht. Man gibt in einem solchen Falle nur die Zahl der Hebungen an. Im Beispiel liegen dreihebige Verse mit Senkungsfreiheit vor.
freie Rhythmen,
Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
aus: Goethe, "Prometheus"
Seit der Epoche des Sturm und Drangsgibt es die freien Rhythmen. Sie haben keine feste Hebungszahl der einzelnen Verszeilen, keine regelmäßige Ordnung von Senkung und Hebung. Die freien Rhythmen sind ungereimt. Sie sind wichtig, weil sie vor allem in der modernen Lyrik eigentlich die traditionellen Formen verdrängt haben. Sie können sehr unterschiedlich benutzt werden und sehr prosahaft wirken.
Quelle: Zentrale für Unterrichtsmedien
der vers commun“ (frz.)
Du daurest mich, du allerliebstes Kind!
v - v - v - v - v -
Du fühlst mein Weh, ich leide deine Schmerzen,
aus: Johann Christian Günther, Abschied an Leonore“
Der vers communist ein französischer Vers. Er ist ein jambischer Fünfheber, mit männlicher und weiblicher Kadenz und einer festen Zäsur nach der zweiten Hebung. Er ist außerdem gereimt und kommt im Barock häufig vor.
der Endecasillabo
Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
v - v - v - v - v - v
Die Sonne stand zum Gruße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
aus: Goethe, Urworte. Orphisch“
Der Endecasillaboist ursprünglich ein italienischer Vers. Er besteht aus gereimten fünfhebigen Jamben, meist mit weiblicher Kadenz, ohne feste Zäsur.
der Blankvers
Denn ach! mich trennt das Meer von den Geliebten,
v - v - v - v - - v
Und an dem Ufer steh ich lange Tage,
Das Land der Griechen mit der Seele suchend."
aus: Goethe, Iphigeniel I,1“
Der Blankversbesteht aus ungereimten fünfhebigen Jamben. Er ist der Vers des klassischen deutschen Dramas und wurde aus dem englischen Drama übernommene
der Alexandriner
Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden!
v - v - v - v - v - v - v
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein;
aus: Andreas Gryphius, Es ist alles eitel“
Der aus dem Französischen übernommene Alexandriner besteht aus sechshebigen Jamben mit fester Zäsur nach der dritten Hebung. Er ist gereimt und kommt vor allem im Barock vor.
Madrigalverse, freie Verse
Schöne Linde
Deine Rinde
Nehm den Wunsch von meiner Hand:
Kröne mit den sanften Schatten
....
Die Madrigalverse sind jambotrochäische Verse mit freier und wechselnder Hebungszahl. Sie sind gereimt und kommen auch in der modernen Dichtung vor.
der Hexameter
Pfingsten, das liebliche Fest war gekommen! es grünten und
- v v - v v - v v - v v - - v
Der Hexameterist ungereimt und besteht aus sechs Daktylen. Im Deutschen ist die Füllung dieses griechischen Verses jedoch sehr frei, d.h., die Senkungen können ein‑ oder zweisilbig sein; zweisilbige Senkungen kommen jedoch fast immer nach der fünften Hebung vor. Meistens liegt eine weibliche Kadenz vor.
der Pentameter
Der Pentameterist im Deutschen ein sechshebiger Vers mit männlicher Kadenz. Die dritte und vierte Hebung folgen ohne Senkung aufeinander. Eine Strophe, die aus einem Hexameter und einem Pentameter besteht, heißt (-s) Distichon.
Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule,
- v - v v - v - v - v v - v
im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.
- v - v v - - v v - v v -
Friedrich Schiller
Verse mit Senkungsfreiheit
Es schienen so golden die Sterne,
v - v v - v v - v
Am Fenster ich einsam stand.
v - v v - v -
aus: J. v. Eichendorff, Sehnsucht“
Außer den zuvor erwähnten ‑ meist an ausländischen Vorbildern orientierten ‑ Formen sind in der deutschen Lyrik einheimische Formen verbreitet, die nicht alternieren, da bei ihnen weitgehende Freiheit bei der Senkungszahl besteht. Man gibt in einem solchen Falle nur die Zahl der Hebungen an. Im Beispiel liegen dreihebige Verse mit Senkungsfreiheit vor.
freie Rhythmen,
Bedecke deinen Himmel, Zeus,
Mit Wolkendunst!
Und übe, Knaben gleich,
Der Disteln köpft,
An Eichen dich und Bergeshöhn!
aus: Goethe, "Prometheus"
Seit der Epoche des Sturm und Drangsgibt es die freien Rhythmen. Sie haben keine feste Hebungszahl der einzelnen Verszeilen, keine regelmäßige Ordnung von Senkung und Hebung. Die freien Rhythmen sind ungereimt. Sie sind wichtig, weil sie vor allem in der modernen Lyrik eigentlich die traditionellen Formen verdrängt haben. Sie können sehr unterschiedlich benutzt werden und sehr prosahaft wirken.
Quelle: Zentrale für Unterrichtsmedien