KonzertberichtOrt: "Devil's Place", Saarbrücken am OstbahnhofZeit: Samstag, 27.09.08 - Beginn: 19.00 UhrBands: Emily's Insane, Jamfare, HellowedDie Anfahrt gestaltete sich als schwierig, da zwar auf der Homepage des Veranstalters ein google-maps-Bild,
nur leider keine ordentliche Wegbeschreibung zu finden war. Da half es also nur sich via Navi am Ostbahnhof
zu orientieren. Nachdem wir glaub ich 3 mal an dem Dingen vorbeigefahren waren und ich schon voller
Frustration nach Hause fahren wollte (wir waren eine ganze Stunde unterwegs), fand meine Schwester den
Eingang zum "Devil's Place" unmittelbar hinter dem Bahnübergang (etwa 3,5 qm ^^). Also Parkplatz gesucht
und schnellen Schrittes hin.
Das Konzert sollte eigentlich um 19:00 Uhr beginnen, daher hatten meine Schwester und ich schon den Hals,
dass wir ne Stunde zu spät waren. Aber alles kein Problem, das Konzert verschob sich aufgrund technischer
Probleme 70-80 Minuten. Die perfekte Gelegenheit für ein Pläuschchen mit den Bandmitgliedern der Bands
Jamfare und Hellowed, die es sich im gut belüfteten Eingangsbereich auf einer Couch gemütlich gemacht
hatten und über diverse Magen-Darm-Erkrankungen philosophierten, während die Opener Band Emily's Insane
sich alle Mühe gab, beim Soundcheck schnell voran zu kommen.
Der Devil's Place selbst ist eher ein kleinerer, aber übersichtlicher Schuppen mit gefließtem Boden, was dem
ganzen einen sehr individuellen Touch gibt. Der Sound entfaltete sich zwar an manchen Stellen sehr laut, aber
nicht zu sehr übersteuert, so dass ich sagen kann, dass es mich öfter dorthin verschlagen wird. Denn im
Devil's Place treten oft lokale Bands aus Saarland, Rheinland-Pfalz und Luxemburg auf und der Eintrittspreis
für 5 Euro für sage und schreibe 4 Stunden Livemucke geht vollkommen in Ordnung. Einzigen Minuspunkt gebe
ich für die Organisation mit den Getränken. 20 Euro für eine Getränkekarte, die man kaufen
muss, sonst
bleibt man auf dem trockenen... trotz der Tatsache, dass man die übriggebliebene Summe am Ende des
Konzertes nochmal zurückbekommt... ich weiß nicht, nicht jeder hat mal locker nen 20er auf der Hand - nein,
auch ich nicht, da ich am gleichen Tag morgens schon 100 Euro für die Knochenmarkspenderorganisation
spendete. Doch ansonsten ist dieser Laden definitiv empfehlenswert, weil sehr sauber und trotz der - nennen
wir es mal neutral - "Übersichtlichkeit" werden für die Stehfaulen auch gemütliche Sitzangelegenheiten
(Hochhocker, Couchgarnitur) angeboten.
Doch jetzt zum Wesentlichen: der Musik.
Emily's Insane (keine Homepage) sind entgegen des Namens nicht etwa eine Emo/Punkband, sondern - und man höre
und staune - eine komplett aus Frauen bestehende Rock- und Metalband aus dem Saarland. Sie gaben laut
Auskunft der anderen Bands heute ihr zweites offizielles Konzert - das erste war erst am Vortag gewesen, von
daher war es verständlich, dass die Bandmitglieder noch etwas ermüdet und auch nervös waren.
Sie gaben eine bunte Mischung aus fetzigen Rocksongs aus der eigenen Feder und Coversongs aus dem
Metalbereich zum Besten. Trotz der Tatsache, dass die Bassistin erkrankt (und daher nur sitzend) spielen konnte,
machte ihr Bassspiel einen soliden Eindruck. Die Drummerin hatte Biss, wusste allerdings ab und an scheinbar
nicht wohin mit ihrer überschüssigen Energie. Die Sängerin gab die beste Performance ab, traf perfekt auch
die schwersten Töne und überwiegte zeitweise auch beim Screaming Drum- und Gitarrenparts, was mich -
und auch den Rest der Zuschauer beeindruckte. Das schlechteste Bild gab leider die Gitarristin ab. Sie
verspielte sich beim ersten Coversong beim Solo zwei Mal und wollte zeitweise den Song wohl ganz abbrechen,
was aber weder die Sängerin noch die Drummerin zulassen wollte. Dann verstimmte sich ihre Gitarre mitten
im Konzert, so dass ein Basssolo (mit Gesanguntermalung) spontan entstehen musste, um die Zeit zu überbrücken.
Aber das passiert jedem auf der Bühne mal und das improvisierte Solo fand ich sehr sehr gut. Sie beendeten
ihr Set mit einem Cover: "Enter Sandman" von Metallica. Mein Herz schlug höher. Bis dann das Solo kam...
okay, es war improvisiert, ist auch okay, denn ich kann es auch nur improvisiert spielen. Allerdings passten
diverse Parts mit dem Wah-Effekt überhaupt nicht zum Bass/Drumming-Soundkomplex und der Übergang vom
Solo zum Interlude ("Now I lay me down to...") kam so abhackt rüber, dass es mir als "Metallicajünger"
eiskalt den Rücken runterlief.
Alles in allem kann man aber sagen, dass die Mädels eine gute Show geliefert haben - gerade als Opener hat
man einen schweren Stand. Und trotz diverse Fehlerchen beim Spiel bleibe ich bei einer Gesamtnote
gut.
Man gebe der Band noch einige Monate Entwicklungszeit und sollten sie tatsächlich irgendwann ein Album an
den Start bringen, so werde ich es definitiv kaufen.
Trotz intensiver Suche fand ich von
Emily's Insane keine Internetpräsenz; sollte sich das ändern, werde
ich diese in diesem Konzertbericht nachreichen.
Jamfare (Jamfare.de) hingegen haben bereits einen Namen in der Szene.
2007 gewannen sie den saarländischen Band-Award "Goldener Scheinwerfer" für die beste Nachwuchsband und den Titel
für den besten Gitarristen. Des Weiteren sind die Bandmitglieder unter den Fittichen von Patrick Ablay, meinem
Gitarrenlehrer ;-)
Die Show dieser Band war affengeil. Starkes Drumming, die Bassistin vielleicht etwas passiv im Auftritt, dafür umso
stärker an den Seiten. Warum der Gitarrist den begehrten Titel 2007 erworben hat, konnte man auch diesmal sehen.
Es ist einfach unglaublich was für einen pervers guten Metalsound er aus seiner harmlos wirkenden Stratocaster zog.
Die Einflüsse von Pantera waren nicht nur aufgrund des Bandshirts zu sehen, sondern auch bei seinem phänomenalen
Tremolostil. Ebenso hatte der Sänger von Jamfare richtig was auf dem Kasten. Lauter Gesang, Screams... einfach alles
passte. Auch diese Band spielte eigene Songs von der eigenen - aber nach meinen Infos noch nicht offiziell erschienenen -
EP (sind auch auf der Homepage zum Probehören angeboten) und Coversongs für jedermanns Geschmack. Von Manowar,
über Thin Lizzy bishin zu Metallica. Die Zuschauer bekamen richtig etwas geboten. Sie wollten zwar am Ende keine
Zugabe spielen, doch die Zuschauer und der Sänger der Band Hellowed brachten sie dann doch dazu.
Fazit: Gesamtnote
sehr gut. Eine Band mit Perspektive und möglicherweise auch der Zukunft über die saarländischen
Grenzen hinaus Bekanntheitsgrad zu erlangen. Ich werde mir ihre nächsten Auftritte (auch neben denen im Devil's Place)
reinziehen.
Hellowed (Hellowed.de) waren der eigentliche Grund für meine Anwesenheit
auf diesem Konzert. Ich verfolge die Entwicklung dieser Band schon seit ihrer Gründung und konnte bei nahezu allen
Konzerten ihre Entwicklung beobachten. Das tolle an ihnen, ist, dass sie sich selbst nicht so sonderlich ernst nehmen
und sich deshalb auch ihre Konzerte sehr locker gestalten und erneut der Spaß an der Mucke in den Vordergrund tritt.
2007 veröffentlichten sie ihr Debütalbum "The Night Of The Reaper" und brachten die New Wave Of British Heavy Metal
zurück in die gelangweilten saarländischen Ohren. Ich hatte die Möglichkeit vor dem Auftritt ein paar Worte mit dem
Drummer zu wechseln, der mir offenbarte, dass nach dem Wechsel der Bassistenposition noch nicht so ganz klar war,
was mit der Band nun weiter geschehen würde. Naja, auch bei Nebenprojekten der Band würde ich gespannt zuschauen :-)
Die Setlist von Hellowed war mit einer Zeitstunde die längste der drei Bands - typisch Headliner eben. Sie spielten eine
gesunde Mischung aus Songs ihres ersten Albums, Songs aus dem zweiten Album (dessen Release noch in den
Sternen und darüber hinaus steht) und Cover von Klassikern wie Bon Jovi und Iron Maiden. Und diese Mischung passte
wieder wie die Faust aufs Auge. Jedenfalls habe ich seit dieser Show mal wieder richtig Nacken und Kreuz :mrgreen:
Bassleistung gut, Gitarren (trotz manch improvisierter Solostelle) in Bestform, Drumming ohne Frage grandios. Olli, der
Sänger von Hellowed ist und bleibt ein Phänomen. Wenn man ihn das erste Mal hört, sagt man direkt "Alter, der kann
doch nicht singen" - selbiges sagt er auch über sich. Aber seine Leistung an sich ist schon das ein oder andere Lob wert,
die hohen Töne bei "The Number Of The Beast" oder "Living On A Prayer" zu treffen und zu halten ist schon eine
Meisterleistung, die ich ihm nicht nachmachen kann - weswegen ich mich auch hüten werde, mich negativ über seine
Gesangskünste zu äußern. Was aber immer wieder geil ist, sind seine Sprüche zwischen den einzelnen Songs.
Manchmal sind diese besser als die gesamte Show von Mario Barth und Michael Mittermeier zusammen.
Fazit: Gesamtnote
sehr gut für eine Band, die ich immer wieder gerne sehe und neben ihren musikalischen
Fähigkeiten wegen ihrer sympathischen Art im Saarland ihres gleichen sucht. Ihr Album kann ich jedem NWOBHM-Anhänger
wärmstens ans Herz legen. Und auf das neue Album freu ich mich eh wie Schnitzel.
Anmerkung: dieser Bericht wurde mit einer billigen Version von Wordpad verfasst, daher entschuldige ich mich für die
wirren Zeilenumbrüche. Ich bin allerdings auch zu faul, diese im Nachhinein zu korrigieren.