Hallo keksi,
nun finde ich doch noch die Zeit, deinen Text zu kommentieren.
Der Text umreißt eine leicht beklemmende Situation. Das Erzähler- Ich (im Folgenden EI genannt) befindet sich in einem Zimmer. Wobei du als Einstieg einen Logikfehler im Text hast:
Zitat:
Lege die Wange an die Scheibe und spüre die Kälte, die mich im ersten Moment zurückzucken lässt. Nach einer Weile haben sich die Temperaturunterschiede ausgeglichen.
Ich gehe zurück und starre aus dem Fenster auf die trostlosen, grauen Häuserwände.
Das EI legt die Wange an die Scheibe, ist also schon beim Fenster. Dann geht es zurück ("Ich gehe zurück und starre aus dem Fenster") und ist
wieder beim Fenster? Es
ist doch schon beim Fenster...?
Zitat:
Mein Atem beschlägt die Scheibe
Das ist nur Kleinkram, aber als Autor muss man auf die kleinen Logikfehler achten: Der Atem beschlägt nicht die Scheibe (ist ja kein Hufschmied), er
läßt sie beschlagen. Also "Mein Atem
läßt die Scheibe beschlagen. Das gleiche hier:
Zitat:
Das Leben ist aus ihnen gewichen, bevor es überhaupt kam.
Ich glaube du weißt selbst, wo hier der Fehler ist. Das Leben kann nicht entweichen,
bevor es kam. Wenn es nicht da war, hat es nicht entweichen können. Entweder es
ist da und entweicht, oder es war einfach nie da.
So, insgesamt ist dir der Text aber ganz gut gelungen. Du umschreibst mit einigen guten Bildern die Situation und unterstreichst die Nachdenklichkeit. Z.B. die kaputte Heizung, die Wärme spenden sollte, es aber nicht tut. Oder ich "...lehne mich gegen die Wand und rutsche am kahlen Weiss der Raufasertapete hinunter.". Der "Panzer" ist irgendwie das falsche Wort an der Stelle. Da würde etwas anderes besser passen. Fassade oder Tarnung, sowas in der Art.
Noch kleine Rechtschreibkorrekturen: nach einem Doppelvokal (ei, ie, etc...) wird ss immer zu ß. Zum Beispiel "weiß". Das Verderben im vorletzten Satz ist ein Substantiv und muss groß geschrieben werden und "verloren" bitte ohne H.
Insgesamt kann man sagen, dass du wirklich ausbaufähig schreibst und ich gespannt bin, was noch von dir kommt.
Gruß,
Thalberg